Im Alter die Wohnung umbauen

Im vertrauten Umfeld bleiben

So lange wie möglich im vertrauten Wohnumfeld leben: Das ist der Wunsch der meisten älteren Menschen. Viele Wohnungen werden den Anforderungen des Alters aber nicht gerecht. Türschwellen sind Hindernisse, der Badewannenrand unüberwindlich. Viele Schwierigkeiten lassen sich durch Umräumen, mit einfachen Hilfsmitteln oder Anpassungsmaßnahmen jedoch verringern oder beseitigen. Eingriffe in die Bausubstanz sind meist gar nicht nötig. Voraussetzung ist allerdings die Bereitschaft, etwas zu verändern.

«Häufig kann schon eine andere Raumaufteilung oder Möblierung viel verbessern», erläutert Theo Hengesbach, Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Wohnberatung NRW in Dortmund. Der Schrank, dessen Kante ständig blaue Flecken verursacht, steht an einer anderen Stelle vielleicht weniger im Weg. Der Teppich, der zur Dauer-Stolperfalle wird, ist verzichtbar. Gebrauchsgegenstände bleiben mit Hilfe von Gummimatten oder Saugnäpfen am Platz. Und wenn der Wäschetrockner im Abstellraum untergebracht wird, ist die Bewegungsfreiheit im Bad deutlich größer.

«Der Bereich mit dem bei weitem größten Veränderungsbedarf ist der Sanitärbereich», sagt Hengesbach. Umorganisieren, Platz schaffen, Regale und Spiegel niedriger hängen - all das hilft, ist jedoch meist nicht ausreichend. «Das Wichtigste sind zunächst Haltegriffe», erklärt Karin Michels, Expertin für barrierefreies Wohnen im Bund Deutscher Innenarchitekten (BDIA) in Bonn. Sie werden als sicherer Halt vor allem neben und in der Dusche oder Wanne benötigt.

In vielen Bädern ist der Einstieg in die Wanne auch mit Griffen ein Problem. Badewannenlifte sind hier eine Lösung. «Wenn der Einstieg in eine vorhandene Dusche Schwierigkeiten bereitet, kann ein rückwärts hinein fahrender Rollsitz verwendet werden», schlägt Karin Dieckmann, Geschäftsführerin des Vereins Barrierefrei Leben in Hamburg, vor. Scheiden Lift oder Sitz etwa aus Platzgründen aus, bleibt nur der Austausch gegen eine Dusche mit möglichst niedrigem Rand und einem Klappsitz an der Wand oder einem mobilen Hocker.

Eine zu niedrige Toilette kann durch eine aufgeschraubte Sitzerhöhung oder Polsterungen erhöht werden. Griffe neben dem WC oder Armlehnen erleichtern das Aufstehen. Stolperfallen wie textile Vorleger haben im Bad nichts zu suchen. «Auf feuchten Fliesen ist jedoch die Rutschgefahr groß», warnt Innenarchitektin Michels. «Es gibt Anti-Rutsch-Flüssigkeiten für den Boden, aber auch die Wanne. Diese Produkte sind allerdings nicht für alle Materialien geeignet.»

Neben dem Sanitärbereich bereiten vor allem der Hauseingang und das Treppenhaus Schwierigkeiten: Statt der hohen Schwelle wäre ein versenkbares System gefragt. Ein kontrastreicher Anstrich der Stufen und bessere Beleuchtung würden das Treppensteigen erleichtern. Der vorhandene Handlauf müsste verlängert, ein zweiter angebracht werden.

Im eigenen Heim lassen sich solche Dinge schnell ändern. Das gilt auch für bauliche Maßnahmen in der Wohnung wie die Neugestaltung des Übergangs zum Balkon, die Veränderung einer Türbreite und das Einlassen einer bodengleichen Dusche. Im Mehrfamilienhaus können solche Fragen dagegen zum Auszugsgrund werden. «Besonders schwierig ist die Situation für einen Mieter, aber auch für einen einzelnen Eigentümer bei Eigentümergemeinschaften, wo alles einstimmig beschlossen werden muss», sagt Vereins-Geschäftsführerin Dieckmann.

Bei baulichen Veränderungen geht es nicht nur um das Einverständnis des Eigentümers, sondern auch um die Kosten. «Unter der Überschrift Wohnwertsteigerung beteiligen sich Wohnungsbaugesellschaften, aber auch private Vermieter zunehmend an Unkosten, wenn der Bewohner selbst einen Teil übernimmt», sagt Dieckmann.

Möglichst frühzeitig sollten Fördermittel beauftragt werden. Wurde eine Pflegestufe festgestellt, so zahlt die Pflegekasse einen Zuschuss von bis zu 2557 Euro zur baulichen Wohnumfeldgestaltung. Auch Darlehensprogramme kommen in Frage. So gibt es in Nordrhein-Westfalen ein Förderprogramm des Landes für Wohnungsbesitzer, die barrierefrei umbauen. In jedem Fall sollte das kommunale Wohnungsamt kontaktiert werden.

Wenn es um die Kostenübernahme oder auch den Verleih von Hilfsmitteln geht, ist die Krankenkasse erster Ansprechpartner. «Hilfsmittel wie ein Badewanneneinstieg kann der Arzt verordnen, wenn bestimmte körperliche Einschränkungen vorliegen», erläutert Wohnberater Hengesbach. «Dann übernimmt die Krankenkasse den Großteil der Kosten, der Betroffene muss nur die Zuzahlung leisten.» Für Senioren mit Pflegestufe trägt die Pflegekasse den Großteil der Kosten von Hilfsmitteln.

Mit allen praktischen und formalen Fragen einer Wohnungsanpassung ist manch älterer Mensch überfordert. Wohnberatungsstellen begleiten Betroffene von der ersten Bestandsaufnahme bis zur Koordination von Handwerkern. Ein Adressverzeichnis ist auf der Internetseite www.wohnungsanpassung.de zu finden. Auch kommunale Seniorenbüros, Seniorenzentren und Wohlfahrtsverbände am Ort sind ansprechbar. Der Verein «Barrierefreies Leben» bietet eine Online-Beratung an. Auf barrierefreies Wohnen spezialisierte Architekten können bei der Architektenkammer oder dem Bund Deutscher Innenarchitekten erfragt werden.

Internet: www.wohnungsanpassung.de, www.barrierefrei-leben.de.

dpa/gms en tk cr
180921 Okt 06