Bausparen lohnt nur bei guter Planung

Bausparen bringt wenig Zinsen, später aber günstige Darlehen

Bei einem Bausparvertrag zahlt der Sparer mehrere Jahre regelmäßig Sparbeträge ein. Will er das im Bausparvertrag vereinbarte angebotene Baudarlehen in Anspruch nehmen, muss er ein Mindestguthaben angespart und eine bestimmte Bewertungszahl erreicht haben. Das Guthaben sollte 40 bis 50 Prozent der Bausparsumme decken.

Die Bewertungszahl richtet sich nach der Spardauer und der Höhe der Einzahlungen. Die Laufzeit des Darlehens liegt in der Regel bei acht bis zwölf Jahren. Bausparen wird vom Staat mit der Arbeitnehmersparzulage und der Wohnungsbauprämie unterstützt, auch wenn der Bausparvertrag letztendlich nicht für den Bau oder Kauf einer Wohnung genutzt wird. Denn der Bausparer kann auch auf die Auszahlung des Darlehens verzichten und den Vertrag als Geldanlage nutzen.

Auch eine Kündigung des Bausparvertrags vor der Zuteilung ist möglich, bringt aber meist Zinsnachteile mit sich. Zudem hat der Gesetzgeber eine Mindestwartezeit festgelegt, so dass ein Bauspardarlehen frühestens 18 Monate nach Abschluss des Bausparvertrages zugeteilt werden kann.

In der Regel wird das Bausparguthaben durch monatliche Zahlungen angespart. Es ist allerdings auch möglich, Sonderzahlungen zu leisten oder das vertragliche Mindestbausparguthaben durch eine Einmalzahlung zu erbringen, um möglichst schnell alle Anforderungen für die Zuteilung des Darlehens zu erfüllen.

Verbraucherschützer sehen das Bausparen allerdings kritisch: «Wir können Bausparverträge nicht vorbehaltlos empfehlen», sagt Christiane Kienitz von der Verbraucherzentrale Hessen in Frankfurt. «Das sind Verträge, die oft nicht passen, wenn man sie gerade braucht.»

Das müsse zwar nicht so sein. «Aber ein Verbraucher sollte sich vorher genau überlegen, wann und zu welchem Zweck er das Geld haben will», erläutert die Expertin für Baufinanzierung. In der Praxis stimme der Auszahltermin mit dem geplanten Bedarf oft nicht überein. «Wer einen zuteilungsreifen Vertrag hat, der braucht ihn häufig gerade nicht. Und wer einen braucht, der steckt oft noch in der Ansparphase.»

Der Abschluss in einer Niedrigzinsphase führt später zwar zu niedrigen Darlehenszinsen. Dafür gibte es aber auch nur wenig Zinsen auf das eingezahlte Kapital. Und wer in einer Hochzinsphase den Vertrag unterschreibt, wird bei einer Zuteilung in Niedrigzinsphasen wahrscheinlich hohe Darlehenszinsen zahlen.

Sinnvoll sei Bausparen daher vor allem bei mittleren Laufzeiten für Teilfinanzierungen und Reparaturen. «Und dann muss das maßgeschneidert sein», sagt Kienitz. Denn je höher die Summe, desto größer seien die Probleme der Kunden, den Vertrag zu besparen. Und hohe Summen anzusparen, dauert lange: Sie würden möglicherweise erst nach 15 oder 20 Jahren zuteilungsreif und seien damit wenig sinnvoll für jeden, der kurzfristig bauen will.

Zudem wollen die Bausparkassen das Geld nach der Zuteilung schnell wieder haben. Entsprechend hoch fallen die Rückzahlungsraten aus, wenn es sich um eine hohe Bausparsumme handelt. «Ab 50 000 Euro Bausparsumme sollte sich jeder überlegen, ob die Verträge noch finanzierbar sind.»

Gerne bieten Baufinanzierer einen Bausparvertrag auch für die spätere Anschlussfinanzierung an. Auch das geht aber an die Liquidität, denn die Bauherren müssen dann gleichzeitig den Baukredit abbezahlen und Geld für die Bausparbeiträge aufbringen. Wer neben den Kreditraten noch Geld übrig hat, ist besser beraten, den Kredit schneller abzubezahlen.

Es gibt also viele Gründe, bei einer Entscheidung für einen Bausparvertrag ordentlich zu vergleichen. Um den Überblick nicht zu verlieren, ist es dabei wichtig, sich einen Zins- und Tilgungsplan aushändigen zu lassen. Der Plan sollte den gesamten Verlauf der Anspar- und der Tilgungsphase darstellen. Ein weiterer Kostenfaktor ist die Abschlussgebühr: Die meisten Anbieter verlangen ein Prozent der Bausparsumme, andere 1,6 Prozent.

Selbstverständlich sollte sein, dass der Kunde einen Tarif wählt, der seine Möglichkeiten berücksichtigt - auch mit Blick auf die Zukunft. Drei Stellschrauben gibt es beim Bausparen: die Höhe der Tilgung, die Höhe des Darlehenszinssatzes und die des Ansparbetrags. Wer eine niedrige monatliche Tilgung will, muss mit einem höheren Darlehenszinssatz rechnen oder mehr ansparen.

Eine vom ARD-Magazin «Plusminus» und der Verbraucherzentrale Bremen erhobene Stichprobe bei mehreren Bausparkassen ergab, dass ein gut verzinster Banksparplan oft die bessere Alternative für Sparer ist. Für die Stichprobe hatten die Tester Angebote bei vier Bausparkassen und Banken eingeholt.

Eingeholt wurden Angebote für eine junge Frau, die mit staatlicher Förderung etwa 15 Jahre lang monatlich 150 Euro sparen will. Verglichen wurde unter dem Strich die Rendite der einzelnen Angebote, wenn das Darlehen nicht in Anspruch genommen wird. Dabei wäre die Frau beim Bausparen auf eine maximal mögliche Verzinsung zwischen 0,5 und 1,8 Prozent gekommen.

Ein Banksparplan hätte ihr dagegen über 15 Jahre hinweg eine Verzinsung von beispielsweise 4,2 Prozent einbringen können, so die Tester. Auch mit Darlehen wäre sie das Bausparen teurer zu stehen gekommen: Stellt man die entgangenen Guthabenzinsen aus dem Banksparplan dagegen, wären ihr Kosten zwischen 9,9 und 17 Prozent entstanden.

Zum Thema Finanzkrise: Wer sich für einen Bausparvertrag entschieden hat, ist auf der sicheren Seite. Denn hier wandert das Geld in ein geschlossenes System: Bausparer zahlen das Geld an die Bausparkasse, und diese gibt es an die Hausbauer weiter.