Kreditkarten bieten oft überflüssige Leistungen
Immer vergleichen
Die Zahl der Kreditkartenbesitzer in Deutschland stagniert. Rund 21 Millionen Karten waren nach Angaben des Bundesverbandes deutscher Banken in Berlin in den vergangenen Jahren im Umlauf - mal etwas mehr, mal etwas weniger. Doch die Anbieter tun einiges dafür, um die Nachfrage anzuheizen: Sie locken mit Zusatzleistungen. Verbraucherschützer halten allerdings wenig von solchen Angeboten.
Die Auswahl ist groß. So lädt zum Beispiel der Internetdienst www.cardguide.de zum Vergleich zwischen mehreren hundert Karten ein. Und gründliches Vergleichen ist auch erforderlich, denn abgesehen von den Kosten können Verbraucher aus einer ganzen Reihe zusätzlicher Leistungen wählen. Diese reichen von Rabatten und Reise-Service über Funktionen als Photo- oder Telefonkarte bis zum Versicherungsschutz. Vor allem sollten Verbraucher darauf achten, ob sie die Zusatzangebote überhaupt benötigen, rät Uwe Döhler von der Zeitschrift «Finanztest» der Stiftung Warentest in Berlin. Denn die Leistungen sind nicht nur Service, sie sollen zum Geld ausgeben anregen.
«Es gibt Angebote, bei denen würden Kunden ohne die Karte niemals auf die Idee kommen, sie in Anspruch zu nehmen - zum Beispiel einen Ticketservice oder besondere Reisen.» Zudem sei fraglich, ob die Angebote tatsächlich so günstig sind, wie sie sich darstellen, ergänzt Markus Lietz von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg in Stuttgart. Lietz rät zum Vergleich: «Was würde die gleiche Leistung kosten, wenn ich sie unabhängig von der Kreditkarte kaufen würde? Und rechtfertigt diese Leistung eventuell höhere Kosten der Kreditkarte?»
Das gelte auch für Guthabenzinsen, die manche Herausgeber von Kreditkarten bieten. Das klinge zunächst zwar attraktiv, doch davon sollten sich Kunden nicht dazu verführen lassen, größere Guthaben auf dem Kartenkonto zu parken, rät Lietz: «Tagesgeldkonten bringen oft mehr Zinsen, und das Geld ist jederzeit verfügbar.»
Und wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus? Bei den meisten Kartenanbietern können Kunden eine ganze Reihe von Versicherungen abschließen - oft zu einem Aufpreis. Das Angebot reicht von der Auslandsreise-Krankenversicherung über Verkehrsmittel-Rechtsschutzversicherungen bis zum Auto-Schutzbrief. «Von den Versicherungsleistungen halten wir nichts bis sehr wenig», sagt Döhler. Noch deutlicher wird Lilo Blunck vom Bund der Versicherten in Henstedt-Ulzburg (Schleswig-Holstein): «Es gibt in Kombination mit Kreditkarten keine sinnvollen Versicherungsangebote.»
Blunck kritisiert besonders, dass es sich um standardisierte Produkte handele, die nicht auf den individuellen Bedarf zugeschnitten sind. Zudem würden diese Versicherungen in falsche Sicherheit wiegen. So schützten sie nur bei den Gelegenheiten, die mit der Karte bezahlt wurden, sagt Blunck. «Außerdem reichen die Versicherungssummen bei den uns bekannten Angeboten einfach nicht aus.» Auf der anderen Seite komme es zu unnötigen Doppelversicherungen: «Ich brauche eine private Haftpflichtversicherung und keine über meine Kreditkarte.»
Bliebe noch die Auslandsreise-Krankenversicherung: «Aber die kann man auch ohne Kreditkarte schon für sechs bis acht Euro für ein ganzes Jahr abschließen», sagt Blunck. «Da lohnt sich der Vergleich mit dem Aufpreis für die Kreditkarte immer.» Wer eine Kreditkarte anschaffen will, sollte sich daher Gedanken machen, wofür sie wirklich benötigt wird.
«Als Teil der Reisekasse im Ausland ist eine Kreditkarte sinnvoll», sagt Verbraucherschützer Lietz. Wer im Urlaub ein Auto mieten oder ein Hotel buchen will, komme oft nicht ohne die Karte aus. Allerdings sollten sich Verbraucher vorher informieren, welche Karten im Reiseland besonders verbreitet sind, bevor sie sich für eine entscheiden.
Auch im Inland können die Karten das Leben erleichtern. Das gelte zumindest für Kunden, die häufiger Mietwagen oder Hotels buchen, berichtet Uwe Döhler. «Mit anderen Zahlungssystemen ist das oft komplizierter.» Manche Mietwagen-Unternehmen würden zum Beispiel Maestro-Karten nicht akzeptieren. «Oder man muss eine Kaution hinterlegen.» Wer für solche Transaktionen eine Kreditkarte benötigt und auf die Zusatzleistungen verzichten kann, müsse bei der Auswahl letztlich nur auf die unterschiedlichen Kosten achten.
Dabei komme es auf drei Faktoren an, sagt Lietz: Was hoch sind die Gebühren bei Auslandseinsätzen? Was kosten Barabhebungen? Und wie hoch ist die Jahresgebühr? Vergleichen lohnt sich, rät Döhler: «Es gibt Anbieter ohne Jahrespreis. Oft gibt es die Karte auch zusammen mit einem Girokonto und kostet dann nichts oder nur sehr wenig.»
dpa/gms jw ah cr
200928 Jul 06
