Revolving-Funktion: Vorsicht vor Schuldenfalle
Ähnlich wie ein Girokonto - mit einem Dispokredit ausgestattet
Kaufen, aber erst später bezahlen - das ist das Prinzip der Kreditkarte. Und kaufen, aber erst sehr viel später bezahlen - das ist das der Kreditkarte mit Revolving-Funktion. Während bei den bisher in Deutschland üblichen Kreditkarten der volle Betrag am Monatsende vom Girokonto abgebucht wird, wird bei denen mit Revolving-Funktion am Ende des Monats nur eine festgelegte Rate fällig. Der Restbetrag kann bis zu einem Jahr später beglichen werden. In dieser Zeit fallen allerdings Zinsen an. Und diese können bis zu 20 Prozent betragen. Verbraucherschützer warnen deshalb vor den neuen Kreditkarten.
Welche Gefahr von Revolving-Kreditkarten ausgeht, zeigt das Beispiel der Vereinigten Staaten: Belastungen durch Zinssätze von 30 Prozent und mehr nehmen vielen US-Bürgern in der Rezession derzeit den finanziellen Spielraum. Präsident Barack Obama will sogar per Gesetz gegen überzogene Zinssätze, horrende Gebühren und Knebelverträge in der Branche vorgehen.
Die Verbreitung der Karten in Deutschland ist bislang zwar gering: Der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main zufolge waren 2007 gerade einmal 2,5 Millionen Revolving-Kreditkarten Umlauf. Nach Umsetzen einer EU-Richtlinie über Zahlungsdienste könnte die Verbreitung aber zunehmen.
Auf dem Vormarsch sind Kreditkarten offenbar sehr wohl: Knapp 36 Prozent der Einzelhandelsumsätze in Deutschland wurden 2008 per Karte erzielt. Das geht aus einer Studie des Handelsinstituts EHI in Köln hervor. Kreditkarten machten dabei zwar nur einen Anteil von 5,2 Prozent aus. Eine wesentlich größere Rolle spielen Kreditkarten aber bereits im Online-Handel.
Laut einer 2008 veröffentlichten Studie des Zahlungsdienstleisters Deutsche Card-Services in Köln - einem Tocherunternehmen der Deutschen Bank - werden bereits 36 Prozent aller Online-Geschäfte in Deutschland mit einer Kreditkarte bezahlt. Das Hauptproblem bei den speziellen Revolving-Kreditkarten sehen Verbraucherschützer in der Abtrennung der Kreditfunktion vom Girokonto - neben dem Gehaltskonto müssen sie auch das Kreditkartenkonto im Blick behalten. Mancher Verbraucher verliert da schnell den Überblick. Noch problematischer wird es, wenn gleich mehrere Kreditkarten benutzt werden. Das sei in den USA schon gängige Praxis.
Eine sinnvolle Anwendungsmöglichkeit für die Revolving-Kreditkarten sehen Verbraucherschützer daher nicht: Es sei nur eine zusätzliche Möglichkeit, einen teuren Kredit aufzunehmen. Dispokredite der Banken seien oft günstiger für den Verbraucher. Sie empfehlen daher, die Kreditkarte - wie auch bisher üblich - an das eigene Girokonto zu koppeln. Als Zahlungsmittel seien Kreditkarten ideal.
Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf rät Kreditkarten-Besitzern grundsätzlich dazu, die Kreditkartenabrechnungen jeweils aktuell zu prüfen. Denn nicht bei allen Anbietern sei im Verfahren der automatische monatliche Kontoausgleich vorgesehen. Es werde vielmehr auf die Unkenntnis und Trägheit der Kunden gebaut - und teilweise werde ihnen die Revolving-Funktion einfach untergeschoben.
