Bausparen als Geldanlage

Auch Altverträge können lukrativ sein

Bausparen ist auch für diejenigen attraktiv, die ihr Geld einfach einesichere Geldanlage suchen. Wer auf das Darlehen für den Hausbau oderWohnungskauf verzichtet, bekommt bei manchen Tarifen von denBausparkassen sogar Bonuszinsen, wenn das Guthaben nach frühestenssieben Jahren ausgezahlt wird.

Allerdings läuft bei den Vertragsabschlüssen nicht immer alles rund: «Viele Sparer haben ihr Geld in für sie gar nicht geeigneten Verträgen angelegt», sagt Arno Gottschalk, Bausparexperte der Verbraucherzentrale Bremen. «Und viele wissen nicht einmal in was für einem.» Die Beratung der Bausparkassen sei daran nicht ganz unschuldig: «Oft wird zu einer höheren Summe gedrängt, als vernünftig ist.» Denn die Vermittler verdienen umso mehr, je höher die Abschlusssumme ist.

Grundsätzlich sind Bausparverträge eine Kombination aus Spar- und Darlehensvertrag: Über einen Zeitraum von mehreren Jahren werden regelmäßige Raten gezahlt, bis ein Mindestguthaben erreicht ist. Anschließend wird der Vertrag zugeteilt, das heißt, das Guthaben und ein Darlehen können dann genutzt werden. Wird der Vertrag gekündigt, bevor sieben Jahre vorbei sind oder die Mindestsparsumme erreicht ist, entfällt der Anspruch auf Bonuszinsen.

Ist der Vertrag dagegen zuteilungsreif und wird das Darlehen nicht in Anspruch genommen, gibt es unter Umständen Extrazinsen. Wer den Kredit von vorneherein nicht braucht, sollte die Bausparsumme entsprechend niedriger ansetzen, als wenn tatsächlich ein Haus oder eine Wohnung finanziert werden muss. Und auch die Grund- und Bonuszinsen können unterschiedlich sein, je nachdem ob es ums Sparen für die eigenen vier Wände oder um die Geldanlage geht.

«Die meisten Bausparer schließen ab, weil es ihnen um wohnungswirtschaftliche Zwecke geht», sagt Walter Weiler, Chefmathematiker der Bausparkasse Schwäbisch-Hall, neben Wüstenrot, den Landesbausparkassen (LBS) und dem Finanzdienstleister BHW der größte Anbieter im Bausparkassenmarkt. Das muss kein Hauskauf sein: «In gut der Hälfte der Fälle geht es um Modernisierung, Renovierung oder Erweiterung», erklärt Weiler. «Die durchschnittliche Bausparsumme liegt zwischen 20 000 und 30 000 Euro.»

Die Zahl der Abschlüsse war im vergangenen Jahr leicht rückläufig: 2004 gab es 4,2 Millionen Bausparverträge über eine Gesamtsumme von 97 Milliarden Euro. «2005 geht es wieder aufwärts, es könnten die 100 Milliarden geknackt werden», sagt Weiler.

Die goldenen Zeiten für Anleger sind aber vermutlich vorbei: «In den vergangenen Jahren war Bausparen als Sparanlage ungewöhnlich attraktiv», sagt Jörg Sahr von der Stiftung Warentest in Berlin. «Kunden, die gar kein Darlehen brauchten, wurden mit hohen Bonuszinsen gelockt. Aber inzwischen haben fast alle Bausparkassen neue Tarife mit niedrigeren Zinssätzen eingeführt», erläutert der Finanzexperte. «Da findet eine Marktanpassung statt. Hohe Bonuszinsen werden bald Vergangenheit sein.»

Denn das Zinsniveau insgesamt ist schon lange niedrig - so niedrig, dass Hypothekendarlehen etwa für einen Wohnungskauf bei der Bank oft günstiger sind als bei alten Verträgen von der Bausparkasse. «Der Anteil der Bausparer, die das Darlehen haben wollen, ist deshalb spürbar zurückgegangen», sagt Jörg Sahr. Bei der Grundverzinsung für das angesparte Guthaben sind inzwischen nur noch 1,5 Prozent üblich - mit den Bonuszinsen können 3,5 bis 4 Prozent erreicht werden, deutlich weniger als in der Vergangenheit. Durch die Abschlussgebühr ist die Rendite noch geringer.

Auch von alten, seit Jahren laufenden Verträgen können Sparer durchaus profitieren, sagt Verbraucherschützer Gottschalk: «Selbst wenn er längst zuteilungsreif ist, kann man weitersparen.» Die ursprünglich festgelegte Bausparsumme lässt sich zwar in der Regel nicht zu den alten Vertragsbedingungen hochsetzen. Aber schon die alten, oft guten Zinskonditionen machen es lohnend, an dem Vertrag festzuhalten. «Das bringt häufig mehr als ein Sparplan.»

Im Interesse der Bausparkassen, die daran nichts verdienen, ist das allerdings nicht. «Die versuchen, den Kunden die alten Verträge abzuschwatzen», warnt der Finanzexperte. Sparer sollten dann stur sein. Auch das wirkt vielleicht spießig, macht sich aber bezahlt.