Wie viel Geld brauche ich im Ruhestand?

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"Denn eins ist sicher: Die Rente!" Als Bundesarbeitsminister Norbert Blüm 1986 mit diesem Slogan für die gesetzliche Rentenversorgung warb, stand es um das System noch vergleichsweise gut. Doch 30 Jahre später hört sich die Einschätzung der Bundesregierung anders an: "Sicherheit im Alter ist möglich", heißt es jetzt. Die gesetzliche Rente gilt aber nur noch als "Kern und Hauptstock der Altersversorgung." 

Eingesehen haben die Deutschen das mittlerweile: Etwa jeder sechste Bundesbürger befürchtet, im Alter in Armut zu leben, ergab die Studie "Altersvorsorge in Deutschland" des Instituts für Demoskopie in Allensbach im Auftrag der Postbank. Die Mehrheit befürchtet außerdem, nicht ausreichend vorgesorgt zu haben - immer weniger wollen aber ihre Vorsorge aufstocken, so das paradoxe Ergebnis. Offenbar wissen viele gar nicht, wo sie anfangen sollen. Unklar ist zum Beispiel die Frage, welchen Betrag ein Rentner überhaupt benötigt.

"Viele haben gar keinen Begriff davon, was sie im Alter brauchen", sagt Tom Friess, Geschäftsführer des Vermögenszentrums München. Dabei gibt es eine Menge Anhaltspunkte: So gehen die Bundesbürger der Studie zufolge davon aus, dass sie im Ruhestand gemeinsam mit dem Partner durchschnittlich etwa 2130 Euro im Monat benötigen, um "gut leben zu können" - heute haben Rentnerhaushalte im Schnitt 1953 Euro zur Verfügung. Und klar ist: Der Anteil des privat Angesparten wird dabei steigen.

"Zu Adenauers Zeit hieß es ja noch: Die gesetzliche Rente deckt 70 Prozent des letzten Nettoeinkommens ab", sagt Frank Nobis vom Institut für Vorsorge und Finanzplanung in Altenstadt an der Waldnaab (Bayern). "Damals ging man aber auch noch mit 65 in Rente und hatte nur noch ein paar Jahre vor sich." Allein wegen steigender Gesundheitsausgaben, die privat zu tragen sind, wirke diese Formel heute nicht mehr. Daher gilt es jetzt, in einem ersten Schritt den Bleistift zu spitzen und sich am Schreibtisch mit den Papieren zur gesetzlichen und betrieblichen Rente zu wappnen.

Eine erste Orientierung beim Rechnen gibt eine Faustregel der Vermögensexperten: Zehn Prozent des Bruttoeinkommens sollten Berufstätige jeden Monat für die Altersvorsorge zurücklegen. Eine genaue Auflistung kann dieser grobe Wert Anlegern aber nicht ersparen. "Als erstes brauche ich eine Übersicht über meine Einnahmen und Ausgaben von heute - und darüber, wie das im Ruhestand aussehen wird", sagt Peter Lischke, Geldexperte bei der Verbraucherzentrale Berlin.

Die heutige Situation lasse sich in wenigen Minuten anhand der Kontoauszüge der vergangenen zwölf Monate verdeutlichen. Bei den Einnahmen im Alter sind vor allem vier Einkommensquellen zu notieren: Die Höhe der monatlichen Zahlung aus der gesetzlichen Rente steht in der jährlich versandten Information des Rentenversicherungsträgers, die Zahlungen aus einer Betriebsrente lassen sich bei der Personalabteilung erfragen, sagt Friess - oft liegt aber auch hier ein jährliches Schreiben vor. Einkommen aus privater Altersvorsorge sind aus den Mitteilungen von Lebensversicherung oder Fondsanbieters ersichtlich. Dazu könnten dann noch Mieteinnahmen kommen.

Bei den Ausgaben fällt die Errechnung genau aus, wenn Sparer eine Auflistung in Blöcken anfertigen: "Block 1 sind zum Beispiel die Kosten für Kleidung und Lebensmittel - die bleiben im Vergleich zu heute im Alter ähnlich", erläutert Frank Nobis. Auch Strom, Wasser und Gas sowie Miete sind zu berücksichtigen, ergänzt Peter Lischke. In einem zweiten Block werden die Ausgaben erfasst, die im Alter wegfallen: Ausgaben für Kinder, die über das Kindergeld hinausgehen, Kosten für den Beruf, aber auch Zins und Tilgung für das Eigenheim oder eben die monatlichen Beiträge zur privaten Altersvorsorge gehören dazu, sagt Nobis. Im dritten Block werden die Kosten eingetragen, die im Alter hinzukommen: «Höhere Ausgaben für Gesundheit und Pflege oder Freizeitkosten - zum Beispiel für Reisen, zählt Nobis auf.

Aus dieser Rechnung ergibt sich nach Worten von Peter Lischke dann die Versorgungslücke: Bringt die gesetzliche Rente zum Beispiel 1800 Euro und der Bedarf liegt bei 2500, muss für jeden Monat eine Zahlung von 700 Euro aus der privaten Vorsorge angespart werden. «Dafür muss man aber schon gewaltig sparen.»

Im Alter sinken in der Regel die Ausgaben für die Risikoabsicherungen: Eine Rechtsschutzpolice oder eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit wird im Ruhestand in der Regel nicht mehr benötigt, sagt Peter Lischke, Geldexperte der Verbraucherzentrale Berlin: «Im Alter brauche ich meist nur Haftpflicht-, Kfz- und Hausratversicherung.» Lediglich Kosten für diese Policen müssen daher bei der Berechnung des Vorsorgebedarfs einkalkuliert werden.